2. Mär 2018, 02:34
Hi,
habe bei meinen Rollern die Reifen auch immer selbst gewechselt und werde das bei der Daystar auch selbst machen. Du brauchst halt ordentliches Werkzeug:
3 stabile Montierhebel,
3 Felgenschoner,
1 Ventilschraubendreher,
1 Spanngurt (nur bei schlauchlosen Reifen),
2 Stücke Dachlatten (oder dicker) ~60 cm lang,
Tensid (Seife, Spüli etc.),
Lappen,
evtl. Kreide,
Spiritus oder Universalverdünnung,
festes Schuhwerk.
Du lässt die Luft komplett aus dem Reifen raus, indem Du das Ventil rausdrehst.
Dann legst Du die Felge auf die beiden Holzstücke ('ne alte Decke drunter kann nicht schaden.)
Dann trittst Du die alte Reifendecke auf beiden Seiten vom Felgenhorn ab. (Der Reifenrand muss auf beiden Seiten in der Felge liegen.)
Dann legst Du den Reifen an einer Stelle ins Felgenbett, setzt an der gegenüberliegenden Seite einen Montierhebel an (Felgenschoner drunter) und ziehst den Reifenrand nach außen über die Felge. Den Montierhebel hältst Du fest. (Manche binden ihn auch mit Draht oder Kabelbinder fest.) Das machst Du rechts und links davon auch.
Jetzt kannst Du vermutlich schon den Rest des Reifens per Hand nach außen ziehen. Wenn nicht, kannst Du den mittleren Montierhebel nochmal weiter außen ansetzen (Felgenschoner drunter).
Wenn Du einen Schlauch hast, nimmst Du ihn jetzt raus. (Vorher Ventilstutzenschraube lösen)
Jetzt drehst Du das Rad und machst das gleiche nochmal von der anderen Seite.
Dann stellst Du das Rad senkrecht, drehst die Felge in Bezug auf den Reifen um 90 Grad und ziehst sie raus.
War ein Schlauch drin, musst Du jetzt das Felgenband überprüfen und ggf. ersetzen. (Falls das Felgenband defekt sein sollte und Du kein neues zur Hand haben, tut's auch Textilklebeband. Das solltest Du aber im Bereich des Loches für den Ventilstutzen überlappen lassen, damit Du nicht eine zweite schwere Stelle am Rad erzeugst. Dann aber auch unbedingt wuchten.)
Bei schlauchlosen Reifen überprüfst Du den Ventilhalter auf Risse und ersetzt ihn, falls nötig.
Vor dem Aufziehen des neuen Reifens solltest Du sämtliche beteiligten Regionen satt einseifen.
Die meisten Reifen sind an der schwersten Stelle mit einem farbigen Punkt gekennzeichnet. Dieser Punkt sollte dem Ventil genau gegenüber liegen.
Den neuen Reifen schiebst Du an dieser Stelle mit einer Seite ins Felgenbett. Die spannende Region drückst Du mit Hilfe der Montierhebel stückweise in die Felge.
Danach musst Du bei einem Reifen mit Schlauch den letzteren einlegen und den Ventilstutzen lose anschrauben, damit Dir der Ventilstutzen nicht zu weit abhaut.
Dann drückst Du von der selben aus wie vorher schon geübt die zweite Seitenkante in die Felge (Felgenschoner drunter).
Bei einem Schlauchreifen ist jetzt der Punkt, wo Du den Schlauch faltenfrei so im Reifen positionierst, dass der Ventilstutzen gerade aus der Felge herausragt. (Manchmal hift es, das Ventil einzuschrauben und ganz wenig Druck auf den Schlauch zu geben.)
Bei einem schlauchlosen Reifen ziehst Du jetzt den Spanngurt mittig (!) auf den Reifen und ziehst ihn an. Wenn der Reifen an beiden Seiten komplett anliegt, schraubst Du das Ventil wieder rein und gibst Druck drauf.
Bei Reifen mit und ohne Schlauch wird es zweimal knallen. Dann überprüfst Du, ob der Reifen auf beiden Seiten am Horn anliegt. Tut er das nicht, mehr Druck drauf, bis dass das so ist.
Bei Schlauchreifen sollte der Ventilstutzen jetzt gerade aus der Felge ragen. Ventilstutzenmutter handfest anziehen.
Jetzt ist ist der Zeitpunkt gekommen, mit dem Lappen die Reste der Seife abzuwischen. Abwaschen geht auch.
Druck wieder etwas (bis auf etwa 1,5 Bar) ablassen und den Reifen rundrum mehrmals springen lassen, damit er sich gleichmäßig setzt. (Lieber zu häufig als zu selten. Hier entscheidet sich, wie rund Dein Rad läuft.)
Fahrdruck + 0,1 Bar drauf und fertig.
Wenn Du wuchten möchtest, baust Du das jeweilige Rad so ein, dass es frei laufen kann (ohne Bremszange und ohne Kette).
In einer Richtung leicht anstoßen und warten, bis es stehenbleibt. Den untersten Punkt markierst Du mit Kreide.
Dann stößt Du das Rad in der anderen Richtung an und wartest wieder, bis es stehenbleibt und markierst.
Sollten beide Punkte nah bei einander sein, hast Du den schwersten Punkt des Rades ermittelt. Sollten sie auseinander liegen, kannst Du das Ganze wiederholen. Sollte auch nach mehreren Versuchen der Bereich nicht auf etwa 10 cm einzugrenzen sein, läuft Dein Reifen entweder schon sehr rund oder Dein Lager ist nicht mehr das beste.
Sollten die Striche weit auseinander liegen und eher zufällig angeordnet sein, läuft Dein Reifen rund und Du musst nichts weiter tun.
Solltest Du zwei Bereiche haben, in denen sich die Striche häufen, markier die Mitte zwischen diesen und klebe genau gegenüber (am Besten erstmal provisorisch) ein 5g-Gewicht hin. Wisch die Striche ab.
Dann nochmal weiter wie oben. Wenn Du wieder einen Tiefpunkt ermitteln kannst, klebe ein weiteres 5g-Gewicht daneben oder auf die andere Seite der Felge hin.
Da capo al fine. Irgendwann werden die Striche zufällig verteilt sein. Dann läuft das Rad rund und Du kannst die Bereiche für die Gewichte mit Spiritus oder Universalverdünnung reinigen und die Gewichte endgültig ankleben.
Rad ordentlich einbauen und fertig.
Das Ganze hört sich zwar aufwändig an, ist aber in einer knappen Stunde zu bewältigen.
Viel Glück
E.
Noch einTipp: Egal, ob Du das selber machst oder machen lässt: Neue Reifen haben noch Reste des Trennmittels drin, das benötigt wird, um sie aus der Form zu bringen. Dieses Trennmittel ist zwar leicht flüchtig, dringt aber auch in die oberen Schichten des Gummis ein. Deswegen laufen neue Reifen erst einmal wie auf Eiern. Die ersten 200 km solltest Du also sehr vorsichtig fahren, weil erst danach die eigentliche Qualität der Reifen heraustritt.
Zuletzt geändert von el42b am 2. Mär 2018, 03:03, insgesamt 1-mal geändert.